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Interview: Frank Grützenbach
Wirtschaftsförderung Dortmund

Frank Grützenbach - Wirtschaftsförderung Dortmund.
Frank Grützenbach - Wirtschaftsförderung Dortmund.

Doppelter Heimvorteil

Die Wirtschaftsförderung Dortmund präsentiert auf der elektrotechnik 2019 erstmals das Netzwerk „Digitale Fabrik Dortmund“. Was sich dahinter genau verbirgt, erfragten wir beim verantwortlichen Projektkoordinator Frank Grützenbach, verantwortlich für Produktionstechnik und stellv. Teamleiter bei der Wirtschaftsförderung Dortmund.

1) Was verbirgt sich hinter der Initiative „Digitale Fabrik Dortmund“?

FG: Digitale Fabrik Dortmund ist eine offene Plattform für Unternehmen aus dem Produktionsdienstleistungsverbund in Dortmund und dem umliegenden Ruhrgebiet. Dort vernetzen sich produzierende Betriebe mit Dienstleistern rund um die industrielle Wertschöpfungskette, zum Beispiel aus den Bereichen IT, Logistik oder Ingenieurdienstleistungen. Frei nach dem Motto „Es gibt immer eine Lösung: Dortmund!“ bringen wir mit dieser offenen Plattform, fertigende Betriebe aus dem Mittelstand mit digitalen Lösungsanbietern zusammen. Die Unternehmen können sich bedarfsorientiert aus den Angeboten des Netzwerks bedienen. Wir leisten vor allem Hilfe zur Selbsthilfe.

2) Wie steht es um den Standort Dortmund und das Ruhrgebiet in Sachen Digitalisierung?

FG: In NRW nimmt Dortmund als digitales Oberzentrum eine Vorreiterrolle in Sachen Digitalisierung ein. Zum einen gibt es das Netzwerk „In|Die RegionRuhr: Innovationsnetzwerk für Industrie und Dienstleistung“, ein Kooperationsprojekt der Wirtschaftsförderungen und Kammern der Standorte Bochum, Dortmund, Hagen, Herne sowie des Ennepe-Ruhr-Kreises. Dort unterstützen wir die Industrie in der Region bei Innovationsprozessen und ihrer Sensibilisierung für das Thema „Industrie 4.0“. Dieses Angebot wird in irgendeiner Form sicher seinen Weg in unseren Messeauftritt auf der elektrotechnik 2019 finden. Darüber hinaus unterstützt das in Dortmund ansässige Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum kleine und mittlere Unternehmen in Nordrhein-Westfalen bei der Digitalisierung und Vernetzung ihrer Produkte, Produktion und Prozesse. Es bündelt unter dem Motto „Digital in NRW“ Know-how und Erfahrung von Technologieexperten des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik in Dortmund, der RWTH Aachen, der Forschungseinrichtungen in Ostwestfalen und des Effizienzcluster Managements in Mülheim. Inhaltliche Schwerpunkte sind intelligente Automatisierung, autonome und wandelbare Logistiksysteme sowie moderne Produktionstechnik. 

3) Wo sehen Sie die größten Herausforderungen in der Umsetzung von Digitalisierung, gerade in KMUs?

FG: Die größten Herausforderungen im Mittelstand sind unserer Erfahrung nach die Investitionskosten, fehlendes Verständnis bzw. mangelnde Akzeptanz sowie knappe Ressourcen, zum Beispiel in punkto Zeit oder Personal. Viele Unternehmen fühlen sich von dem Überangebot an Lösungen auch überfordert. Hier gilt es, die Unternehmen dahin gehend zu beraten, welche digitalen Lösungen für ihren Betrieb Sinn machen. Denn nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch sinnvoll. Teilweise ist auch Überzeugungsarbeit zu leisten, da es immer noch Unternehmen gibt, die meinen, sie bräuchten keine digitalen Lösungen, da ja alles gut funktioniert und die Auftragsbücher voll sind. Hier geht es darum aufzuzeigen, dass sich die Industrie dringend mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen muss, will sie eine Zukunft haben. 

4) Gibt es schon erste Erfolge zu vermelden?

FG: Wir haben insgesamt schon über 25 Innovationsgutscheine vergeben, über die Unternehmen kostenlos unsere Expertise in Anspruch nehmen können. Aus der Netzwerkarbeit sind bereits sehr fruchtbare Partnerschaften entstanden. Beispielsweise konnte ein Simulationsanbieter bei einem Kunststoff-Hersteller dazu beitragen, dass dieser die Anlaufzeiten seiner Spritzgussfertigungslinie deutlich reduzieren konnte. Darüber hinaus haben wir in Dortmund den bundesweit größten Startup-Wettbewerb und eine lebendige Gründerszene. Unser Ziel ist es, diese jungen Unternehmen mit der Industrie zusammenzubringen. Unter den Gründerideen in der Region sind einige wirklich innovative Konzepte dabei, zum Beispiel zu ganz neuartigen Werkstoffstrukturen (Applied Auxetics), Predictive Maintenance (Maintainer) oder zerstörungsfreier Werkstoffprüfung (Imprintec).

5) Was dürfen Besucher von Ihrer Messepräsenz auf der elektrotechnik 2019 erwarten?

FG: Vor allem viele spannende Unternehmen. Wir wollen den Auftritt nutzen, um innovativen Betrieben aus unserem Produktionsdienstleistungsverbund eine Plattform zu geben, idealerweise in Form von gemeinsam von Herstellern und Lösungsanbietern entwickelten Produkten bzw. Konzepten. Wir wollen zeigen, was die Region Dortmund in Sachen Industrie zu bieten hat und was sich hier in Sachen Digitalisierung tut. 

6) Die Messe ist für Sie ein echtes Heimspiel. Was erhoffen Sie sich von der Präsenz auf der elektrotechnik?

FG: Unser größtes Ziel ist es, mit unserem Messeauftritt einen echten „Aha-Effekt“ auszulösen. Was viele nicht wissen: In Dortmund gibt es trotz Strukturwandel einiges an Industrie. In unserem Zuständigkeitsbereich sind rund 600 Unternehmen aus der industriellen Wertschöpfungskette ansässig, die insgesamt rund 30.000 Mitarbeiter beschäftigen. Die Region Ruhr und insbesondere Dortmund haben den Strukturwandel erfolgreich gemeistert. Wir haben heute mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigte als vorher. Mit unserem Messeauftritt wollen wir das Fachpublikum als Botschafter für die Region gewinnen und Geschäftsbeziehungen zwischen den Unternehmen auf unserem Stand und Besuchern bzw. anderen Ausstellern anbahnen. Im Falle der elektrotechnik passt unser Motto der Wirtschaftsförderung „Heimvorteil. Zusammen wachsen.“ natürlich besonders gut. Eine starke Industrie ist wichtig für den Standort Dortmund. Davon können wiederum lokale Messen wie die elektrotechnik profitieren – sozusagen ein doppelter Heimvorteil.

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